Nach den Großstädten sollte unser nächster Stopp in der Natur liegen und, wenn möglich, auch noch etwas wärmer sein. Schon bald hatten wir die Apa Mountain Lodge in Geyikbayırı auf Workaway entdeckt und nach ein paar Nachrichten buchten wir den ersten Fernbus in der Türkei nach Antalya. Dieser war in der Tat auch auf der Höhe der Zeit. Es gab breite Sitze mit 2+1 Bestuhlung, individuelle Displays für das Onboard-Entertainment-System, sowie einen Busbegleiter der auf der 6-stündigen Fahrt mehrmals Getränke und Snacks brachte.
Nach einer kurvenreichen Fahrt mit fantastischen Ausblicken erreichten wir Antalya leider mit genug Verspätung, um den 15 Uhr Bus in das 20km außerhalb in den Bergen gelegene Geyikbayırı, zu verpassen. Doch um 18:45 fand das Rumlungern mit dem Zustieg in den letzten Bus sein Ende.
Ali, der Manager des Hotels, holte uns in der Dunkelheit bei der Bushaltestelle ab und brachte uns bis auf 150m an unser Ziel. Von dort aus führte uns eine in den Rezensionen legendäre, steile und an Matsch und Geröll reiche Straße zum Empfang durch Göksel bei der Apa Mountain Lodge. Dieser hatte für uns mitgekocht und wie er so hinter der Theke stand erinnerte die Atmosphäre in diesem leeren, abgelegenen Berghotel mit ihm als einzigem Angestellten, der hinter der Küchentheke steht doch sehr an The Shining… oh oh. Doch für Gruseleien waren wir zu müde und so fielen wir bald in das bereits bezogene Bett.

Stimmung im Hotel#
Am ersten Morgen hatten wir gutes Wetter und Gäste-frei, sodass das frisch erweiterte Team gemütlich bei Sonnenschein auf der Terasse mit Pinienbewachsenen Bergen und Antalya im Hintergrund frühstückte. Insgesamt ist das Hotel sehr schön. Es gibt ein größeres Hauptgebäude mit einigen Zimmern, Lobby, Frühstücksbereich inklusive der beschriebenen Terasse und angrenzender Küche. Vom Innenhof mit Pool (aktuell allerdings leer) führen von Olivenbäumen gesäumte Pfade zu einer handvoll hölzerner Bungalows mit verschiedener Ausstattung wie z.B. mit Sauna. Dazu noch Jandarma eine (entgegen dem Namen) gemütlich-faule Hündin, die meist vor dem gläsernen Yogaraum, bevorzugt in der Sonne liegend, anzutreffen ist. Nicht zu vergessen ein ebenfalls gläsernes Restaurant mit der 100% Bar.
Nach einigen Tagen pendelte sich folgende Routine ein: Morgens gegen 8:30 Uhr ging es aus den Federn um die Lobby zu reinigen, sowie Frühstück für die Gäste vorzubereiten und zu servieren. Dann gab es auch für uns ein reiches türkisches Frühstück, das wir meist noch mit Müsli ergänzten.
Am späteren Vormittag widmete sich Sandrine den sogenannten Frauenaufgaben(Zimmer richten, Wäsche- und Reinigungsarbeiten) und wir Männer erledigten etwas willkürlich verschiedenen Aufgaben. Dabei wurde viel geredet und ein schneller, bequemer Ansatz wurde meist einer aufwendigeren aber langwährenden Lösung vorgezogen. Wenn die Zeit zu einem für uns arbiträren Zeitpunnkt reif war, wurden Arbeiten häufig stehen und liegen gelassen und zumindest während unserer Zeit vor Ort auch nicht wieder aufgenommen. Etwas verwundert stellten wir auch fest, dass uns die Bettenwechselprozedur mit deutlich weniger Liebe zum Detail nahgebracht wurde, als wir es für ein gehobenes Hotel erwartet hatten. Gegen 13 Uhr dann eine Kaffeepause, eine weitere gegen 14:30 Uhr, die häufig direkt in Feierabend überging; zumindest dann, wenn die Gäste nicht doch noch Abendessen bestellten, welches dann von Ali’s Frau Miray zubereitet wurde. Den Hochglanzmenüs auf den Tischen konnte das Mahl dabei wohl nicht ganz gerecht werden, aber es gab gutbürgerliche Gerichte wie Köfte oder Meze stets mit Salat, Nachtisch und durchaus hübsch angerichtet. Das Servieren in den Bungalos war dann zumeist Felix’s Aufgabe.
Während Ali und Miray in Geyikbayırı wohnen und nachmittags meist nach Hause gingen, kochten wir organisch gemeinsam oder parallel nebeneinander her.
Unvergessen werden uns auch die ausgelassenen Abende mit Ali bleiben, an denen er uns offenherzig und beschwingt auf eine Reise durch sein Leben, die türkische Kultur, Philosophie, Sufi-Riten und lokaler Musik nahm. Ebenfalls lud uns eine kasachische Familie, im Hotel zu Gast, zu BBQ, Wein und Raki auf der Veranda ihres Bungalows ein. Anfangs etwas zögerlich, waren wir bald schon tief im Gespräch und erhielten sogar die Einladung mal ein Wochenende mit ihnen zu verbringen.
Gutes Wetter ➜ Großer Ausflug#
Unsere bisherige Zeit in Geyikbayırı (und in der Türkei generell) war geprägt von wecheselhaften Wetter mit durchaus viel Regen. Man hört sogar, dass es in 2026 bereits soviel geregnet hat wie in ganz 2025; erstaunlicherweise, verkürzt der Faktencheck den Zeitraum sogar auf 40 Tage. In dieser Umgebung verleihten die tiefhängenden dunklen Wolken dem Hotel, dem Blick auf die Hügel und die Stadt etwas Mysthisches und für kleine Ausflüge durch die umliegenden Wälder und Ruinen brachte das Wetter auch einen ganz eigenen Charme. Aber natürlich nutzten wir auch jeden absehbar schönen Tag für Tagesausflüge.
An einem sonnigen Morgen machten wir uns also auf den Weg. Da die Busse hier nur sehr spärlich fahren, liefen wir einfach die Hauptstraße entlang und bei ausgestreckten Daumen, nahm uns direkt der erste Fahrer mit in Richtung Antalya. Bereits einen Anhalter-Stopp weiter (wieder erstes Auto) beschlossen wir zu Fuß weiter zu gehen. Etwas später - und um die Erfahrung reicher, dass die Orangenbäume an den hiesigen Straßen Bitterorangen sind 🍊🍋😬 - erreichten wir die Promenade Akdeniz Bulvarı. Diesem folgten wir bis ins historische Stadtzentrum. Unterwegs hatten wir wirklich athenberaubende Blicke auf das kräftigblaue Meer umringt von Bergen und Stränden. Den restlichen Tag verbrachten wir im historischen Zentrum, besichtigeten einen (zu) turistischen Markt, den Hafen und genossen das Schlendern durch die Altstadt. Zum Glück war absolute Nebensaison, denn schon hier konnte man erahnen welche Touristenhochburg das bei wärmerem Wetter sein muss. Zurück ging es im Abendverkehr wieder per Anhalter. Aus der Stadt raus ohne Schild mit unserer Destination war es deutlich zäher, aber nach einiger Warterei wurden wir von vier freundlichen Menschen letztlich doch mitgenommen und schneller als der nächste Bus waren wir sogar trotzdem noch.

Auf dem Lykischen Weg um den Hausberg#
Die nächste Trockeninsel nutzeten wir für eine lange Wanderung. Zwar hatten wir die unmittelbare Umgebung bereits ein paar Male erkundet und waren auch direkt auf eine alte Byzantinische Siedlung gestoßen, aber diesmal wollten wir weiter raus. Wohin, das hatten wir nicht richtig geplant… und so warteten Sandrine und Felix die ersten 20 min gegenseitig aufeinander an den zwei verschiedenen Hoteleingängen. Nun, das hob die Stimmung nicht gerade aber immerhin waren wir und Jandarma 🐶👮♀️, die sich uns fröhlich mit dem Schwanz wedelnd anschloss, dann endlich unterwegs. Nach einer Weile kristallisierte sich heraus, dass wir einen Abschnitt auf dem Lykischen Fernwanderweg laufen und dann die Runde schließend auf der anderen Seite unseres Hausbergs zurückkehren wollten. Die Landschaft war wunderschön und abwecheslungsreich. Wegen des vielen Regens mussten wir mehrere größere Bäche durchqueren. Überraschenderweise war die Wegfindung allerdings nicht immer einfach, da die Außschilderung wenn überhaupt aus kleinen Steinmännchen, und nur ganz selten mal aus einem Schild bestand. Der Hund begleitete uns tatsächlich die gesamte Strecke. Dies bescherte uns an einer Stelle einen kleinen Umstand, da ein Autofahrer anbot uns ein Stück mitzunehmen, sogar ohne “Daumen”. Da es sich um eine normale Autostraße handelte hätten wir das Angebot durchaus gerne angenommen (schließlich war es schon Abend und wir hatten noch gute 15 km vor unswar), aber wir konnten den Hund nicht ins Auto bringen. Also ging es zu Fuß weiter. Auf dem letzen der insgesamt ~37 km hatten wir noch einmal einen kleinen Pfad, der bei Dunkelheit selbst mit Lampe schwer zu finden/halten war. So befanden wir uns kurze Zeit später - rechts ein rauschender Bergbach, links ein Steilhang - irgendwo im Nirgendwo. Der Hund war auch weg, wahrscheinlich bereits zuhause, dabei hatte er uns anfangs des Pfades noch so nett verlässlich geleitet. Nach einigen verschlimmbessernden Versuchen, uns in eine bessere Position zu navigieren sahen wir im fahlen Licht unser Lampe erleichtert dann aber doch die Augen des Hundes oben am Hang, der offenbar für uns zurückgekommen war. Dort musste also der Weg sein! Einige Kraxelei den Steilhang hinauf - und viel Fluchen - später hatten wir diesen erreicht. Weitere ~200m hasteten wir Jandarma hinterher um nicht nochmal vom rechten Pfad abzukommen, bevor wit das letzte Stück wieder auf einem vernünftigen Weg zurücklegten. Geschafft! Dann haben wir für die gesamte Kompanie noch schnell Abendessen gekocht - denn es das Hotel war an diesem Abend voll belegt und unsere Hilfe wurde davor noch zum Servieren benötigt - und wir fielen erschöpft, um ein paar Kratzer und blaue Flecken reicher aber zufrieden ins Bett.







