Zum Hauptinhalt springen

Reise in eine andere Welt

·594 Wörter·3 min

Wow, ist das ein mächtiges Gefühl, nach drei Monaten Kamerun hier zu landen. Es ist schwer zu sagen, ob unser Staunen allein der Stadt selbst oder dem starken Kontrast zu unseren vorherigen Erfahrungen entspringt. Schon beim Zwischenstopp am Flughafen in Algier fühlte sich der Anblick von Mülleimern (sogar mit Mülltrennung!) wie eine Wohltat an. Wir hatten einen regelrechten „Ordnungs-Flash“: Wie sauber die Fliesen verlegt waren, wie strukturiert alles wirkte! In Istanbul angekommen, verstärkte sich dieses Gefühl nur noch. Der Flughafen war beeindruckend schick, überall gab es grüne Sitz-, Arbeits- und Wohlfühlecken.

Da uns unser Couchersgastgeber nach Zusage nicht mehr mitgeteilt hat, wo er genau wohnt, haben wir uns bei Anfkunft am Flughafen entschlossen, es uns für die paar Tage in Istanbul gut gehen zu lassen und ein kleines aber feines Zimmer zu buchen. Mit der hochmodernen Metro ging es direkt ins Stadtzentrum auf europäischer Seite zwischen Taksim und Galata. Als wir am Taksim-Platz ausstiegen, schlug uns eine kühle, winterliche Brise entgegen – ein überraschend herrlicher Genuss nach der tropischen Hitze. Auf dem Weg zum Zimmer begrüßte uns bei Anbruch der Dunkelheit der süße, vertraute Duft von gerösteten Maronen und süßem Gebäck, während wir durch belebte Fußgängerzonen mit modisch gekleideten, flanierenden Menschen spazierten.

Hinweis: Couchers ist die kostenlose, allerdings deutlich weniger belebte Alternative zur Couchsurfing-Plattform, die Gäste mit Hosts zusammenbringt, die unentgeltlich einen Schlafplatz zur Verfügung stellen.
 

Auch die folgenden Tage versetzten uns in Entzücken. Istanbul besticht durch architektonische Vielfalt (schicke moderne Viertel wechseln sich mit vielen alten Gemäuern ab) und sein charmantes Ambiente; z.B. genießen fein gekleidete ältere Herrschaften bei Wind und Wetter draußen ihren Tee während sie lesen oder schweigend dem Treiben zusehen. Die Menschen erlebten wir als extrem zuvorkommend, und es duftete nach Gewürzen. Von Freunden und Kollegen erhielten wir zahlreiche tolle Tipps, von denen wir versuchten, so viele wie möglich abzudecken. Leider erlaubte uns die schiere Größe der Stadt nicht, alles davon durchzugehen. Aber wir freuen uns schon darauf, bei unserer Rückreise wieder einen Stopp hier einzulegen. Man fragt sich: Warum ist diese reiche türkische Kultur in Deutschland eigentlich nicht noch viel präsenter, etwa was das Lernen der türkischen Sprache in der Schule betrifft?

Was bei uns tagtäglich auch für fröhlich belustigte Schmunzler gesorgt hat ist die nette türkische Sprache, von der wir uns zuvor gar nicht bewusst waren, wie viel Überlapp sie mit französischen Wörtern aufweist; nur eben mit vielen tollen Umlauten auf türkisch. Seht selbst… 😊

Das Essen ist wundervoll. Leider entgeht uns als Vegetarier:innen bei der überwältigenden Vielfalt an Kebab-Variationen doch so einiges. Dennoch sind die vegetarischen Gerichte, die wir entdecken und ausprobieren, jedes Mal aufs Neue ein großer Genuss. Gerade nach unserem kulinarischen Verzicht der letzten Tage in Kamerun ist die abwechslungsreiche, würzige und reichhaltige Küche hier ein wahrer Segen. Von Menemen über Simit und Çiğ Köfte bis hin zum türkischen Frühstück (Kahvaltı) und Künefe – bislang gab es keine Leckerei, die wir nicht mit Begeisterung genossen haben. Auch die hiesige Teekultur gefällt uns sehr, und ein Ayran geht ohnehin immer.

Felix am reich gedeckten Frühstückstisch
Was gibt es Besseres, als den Tag mit einem herrlich reich gedeckten Frühstückstisch zu starten? 🫒🍅🫓🥞😋

Wettertechnisch hatten wir zunächst Glück. Bei etwa 7° C erkundeten wir neugierig die Stadt, bevor es bei 0° C und Schneeregen für lange Erkundungstouren etwas ungemütlicher wurde. Wir nutzten die Zeit für kleinere Runden und um uns unter dicken Decken eingemummelt – die Zentralheizung folgte ihrem ganz eigenen Zeitplan – unseren Blog-Posts, Fotos und administrativen To-dos zu widmen. Überrascht stellten wir jedoch fest: Selbst im Herzen Istanbuls ist man vor gelegentlichen Strom- und Wasserausfällen nicht gefeit. Wer hätte das gedacht?