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Ruhe im Schatten des Berges Gomi

·1026 Wörter·5 min
Inhaltsverzeichnis

Ach, was tut diese Ruhe gut. Nach den letzten intensiven Wochen war dieser Stopp nun wirklich genau das was wir gebraucht hatten: Ein Ort, an dem wir uns für einige Zeit einfach niedrigschwellig festpflanzen können und vieeel Zeit für uns haben. Lika’s Glampingplatz in dem winzigen Dorf Gomi im Westen Georgiens, der vor Saisoneröffnung für die Gäste durch uns aus Vordermann gebracht werden sollte, war hierfür der denkbar beste Ort.

Und nochmal quer durch Georgien
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Voller Vorfreude auf diese Zeit machten wir uns nach einem letzten genussvollen Frühstück bei Julie und Jean Michel in Telavi am Morgen des 03.05.2026 auf die Socken. Mit Hitchhiking hatten wir jetzt so gute Erfahrung gemacht, dass sich die Frage nach dem Bus gar nicht mehr stellte. Also fuhr uns Jean Michel nach einer herzlichen Verabschiedung freundlicherweise ans passende Ende der Stadt.

Der Anfang gestaltete sich bei dichtem Nebel und sonntäglicher Verschlafenheit zugegebenermaßen doch etwas zäher als erwartet. So hat uns die eine Mitfahrgelegenheit, statt weiter die Hauptachse entlangzufahren, zum Beispiel an einer - zugegebenermaßen beeindruckenden - Klosteranlage mitten in der verlassenen Pampa ausgesetzt, sodass wir gut Zeit brauchten, um wieder auf unsere Hauptachse zu kommen. Anschließend hatten wir dafür aber umso mehr Glück und konnten den Löwenteil der Strecke mit einer einzigen Person abdecken. Als es gegen Ende wieder dünn besiedelt wurde, warteten wir in einem vlt. 100-Einwohner-Dorf eine gute Stunde, doch auch das klappte dann ganz gut, sodass wir gegen 20 Uhr am Glampingplatz ankamen, und immerhin 12 nette Leute getroffen hatten.

Da Lika selbst aktuell nicht da war, empfing uns unsere vor-Ort Projektbetreuerin Saba mit offenen Armen. Sie führte uns kurz über die Anlage, erklärte, dass die Tätigkeiten sehr flexibel seien und wir am nächsten Morgen einfach entspannt aufstehen könnten wenn wir ausgeschlafen sind. Als sie uns anschließend mitteilte, dass sie frühen Schlaf liebt und jetzt erst mal ins Bett verschwindet, blühte unser Rentner-Früh-ins-Bett-geh-Herz vollends auf und wir wussten, wir sind an unserem Platz. 🧓 Noch schnell Essen gekocht und schon bald trifteten wir in der wohligen Ruhe und Dunkeleheit unseres A-Frame-Hauses in einen tiefen Schlaf.

Was ist eigentlich Glamping? Das Wort setzt sich aus “Glamorous” und “Camping” zusammen – es ist also quasi die Luxusvariante des klassischen Zeltens. Die Idee dahinter: Man genießt die unmittelbare Nähe zur Natur und die Abgeschiedenheit wie beim Camping, hat aber ein bisschen mehr Komfort z.B. ein Bett, Strom, fließendes Wasser oder ein eigenes Badezimmer. Statt im engen Wurfzelt übernachtet man beim Glamping meist in geräumigen Safarizelten, hölzernen Tipis, Jurten oder etwas futuristisch aussehenden Geodöm-Kuppeln.

Entspannte Arbeit
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Am nächsten Morgen stießen wir zu Saba, die uns bei freundlichem Sonnenschein draußen gleich mit Tee und den großen Fragen des Lebens begrüßte. “Ihr seid doch Wissenschaftler, Phsyik und Neurowissenschaften? Perfekt. Ich wollte schon immermal wissen, wie Bewusstsein funktioniert und wie Quantenverschränkung da mit reinspielt…” Und so versanken wir die nächsten beiden Stunden in Gesprächen über Gott und die Welt, bevor wir uns aufrafften, dann aber auch zum produktiven Projektteil überzugehen.

Der Glampingplatz ist abgesehen von Saba, uns und einigen Arbeitern, die die Küche im Außenbereich aufbauen, mit wenigen Ausnahmen noch für Gäste geschlossen. Somit bestanden die Aufgaben darin, alles für die Saison vorzubereiten. Dazu gehörte Feuerholz holen, mit Steinen einen kleinen Weg in Richtung Fluss markieren, einen großen Erdhügel zu einem hübschen Beet umverteilen, das sich gut in die Landschaft einfügt, Anbringen eines neuen Sonnensegels, Unkrautjäten, oder das Entrümpeln von Material. Alle Aufgaben konnten wir in unserem eigenen Rhythmus angehen und pro Tag verbrachten wir nie mehr als drei Stunden mit den Tätigkeiten, bevor Saba uns fürsorglich darauf hinwies, dass wir schon so viel Arbeit geleistet hätten und ruhig aufhören könnten. Hinzu kam, dass uns in diesem Projekt auch tatsächlich wieder der Luxus der laut Workaway Policy eigentlich üblichen zwei freien Tage pro Woche zustanden, die wir ganz zu zweit und nach Lust und Laune füllen konnten.

Ein bisschen Zeit für uns
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Die ersten Tage boten uns mit dem kühlem, feucht bewölktem Wetter eine willkommene Entschuldigung, wie IT-Zombies viele Stunden vor dem Laptop zu verbringen, um den ganzen Dingen nachzukommen, die in den vorherigen Wochen angebrannt waren. Je mehr wir hier aufholen konnten, desto freundlicher wurde das Wetter dann auch, sodass uns die zweite Hälfte unseres dortigen Aufenthalts endlich mit einigen Tagen herrlich ersehnten sommerlichen Wetters am Stück beschenkte.

Dies nutzten wir auch prompt. Einen Tag lang liefen wir zum Beispiel die 10 km in die nächste kleine Stadt, um auf dem Basar “neue” Schuhe (ca. 8 EUR) und 2 Hosen (für insgesamt knappe 10 EUR) zu besorgen. Den anderen Tag hitchhikten und wanderten wir in die entgegengesetzte Richtung zum Berg Gomi, welcher auf den letzten Kilometern allerdings eingeschneit war, sodass wir nicht ganz bis zum Gipfel liefen. Immerhin beantwortete das unsere Frage, ob wir nach Abschluss dieses Projektes über diesen Pass nach Armenien hitchhiken können: Nope, die Straße war durch den Schnee kaum begehbar, geschweige denn befahrbar.

Insgesamt war die Natur, die uns umgab wahrlich traumhaft üppig. Zur rechten Seite der kleinen Straße, die sich die reich bewachsenen Berge hochschlängelt, floss ein rauschender Fluss, in den hin und wieder Wasserfälle hinabstürzten und Bäche hineinfielen. Kühe, Schweine und Hühner laufen friedlich auf der Straße und in den Gärten und Höfen sprießen bunte Blumen. Highlight unserer gesamten Zeit auf dem Glampingplatz waren allerdings unsere alltäglichen ab-in-den-Fluss-Aktionen am Nachmittag nach der Arbeit und das anschließende Sonnenbaden. Der Fluss direkt neben unserem Glampingplatz war eisig, aber anschließend ist einem schön warm und man fühlt sich wie neu geboren. Abschließend ein Abendspaziergang, ein frühes Abendessen am Lagerfeuer und der Tag war perfekt. Sobald das Wetter es zuließ, haben wir diesen alltäglichen Luxus wirklich lieben gelernt.

Entsprechend verflogen unsere zehn Tage hier wie im Fluge. Danach mussten wir unseren Platz für die nächsten Volunteers räumen und unseren Weg nach Armenien finden. Ein paar Tage länger hätten auch nicht geschadet. So könnte man auch länger leben, dachten wir uns. Diese paar Stunden Volunteering am Tag an der frischen Luft, die es uns erlauben quasi gratis zu in dieser Idylle wohnen und zu essen, und sonst genug Freiraum für andere Tätigkeiten zu haben; das hat schon seinen Reiz. Eine ganz andere einfach recht genügsame Form von Freiheit. 😍