Ab ans Meer#
Nach unseren 34 km Wanderungen, den huggeligen, staubigen, gequetschten und schlaflosen Nächten der Reise freuten wir uns darauf, an der Küste von Kribi einfach ein paar Tage entspannt und langsam angehen zu können. Wie Felix auf unserer Rückreise aus dem Urwald zu sagen pflegte: „Wunden lecken können wir in Kribi spielen“. Kribi gilt hier gemeinhin als einer der – wenn nicht gar der – touristischste Ort Kameruns. Geworben wird mit wunderschönen Stränden und Wasserfällen, die direkt ins Meer stürzen, mit klarem Wasser – kurzum: dem perfekten Badeort. Während unserer zweieinhalb Tage dauernden Reise vom Urwald an die Küste stieg die Vorfreude auf diese etwas entspanntere Zeit also stetig an.
Am Morgen des 5. Januar kamen wir schließlich gegen 5 Uhr früh an einem Busbahnhof etwas außerhalb der Stadt an, und die Suche nach Geld, Essen, Unterkunft und Internet begann. Kaum ein paar Stunden später waren wir um einen Bargeld-Refill, ein Zimmer, etliche zurückgelegte Kilometer und einen Bauch voller Bohnen-Ei-Sandwiches reicher – und ebenso platt.
Servicewüste Kamerun#
Internet gibt es in unserer Herberge keines, und so geht es nach einem längeren Powernap noch einmal los – schließlich wollten wir unserer freundlichen Helferin aus Akom II noch ihr Geld zukommen lassen. An einem Stand für mobile Transaktionen war Letzteres schnell erledigt. So nutzen wir auch gleich die Gelegenheit um eine SIM samt Datenbaket zu bestellen. In kamerunischer Hochgeschwindigkeit – nach einer guten halben Stunde Bearbeitungszeit mit sehr freundlichem Personal – stellte sich jedoch heraus, dass dieser Stand gar nicht die Möglichkeit hatte, Ausländern eine SIM-Karte zu verkaufen. Somit wurden wir an einen anderen Stand ein paar Kilometer weiter verwiesen, der uns diesen Dienst schließlich erwies. Wiederum eine gute Stunde und eine nervenaufreibende Diskussion später hatten wir dann auch das Thema Internet erledigt. Statt der bestellten 15 GB wurden uns aufgrund eines Fehlers des Mitarbeiters zwar lediglich knappe 10 GB zum gleichen Preis gebucht, aber das dies offenbar nicht dieselbe Leistung darstellt, schien weder beim Mitarbeiter noch bei der Chefin als Problem wahrgenommen zu werden… _you had one job! Nach einem Reflexionsspaziergang können wir uns nun aber endlich vollends auf die entspannte Strandzeit in Kribi einlassen. Doch die antizipierte Idylle barg eine ungeahnte Tücke…
Alter Kameruner, hier mückts!#
Zentral gelegen, lokal authentisch und dazu noch günstig – wir waren mit dem Fund unserer Herberge sehr zufrieden. Simpel ausgestattet, bot sie immerhin ein eigenes Bad, die Möglichkeit, Wäsche aufzuhängen, und war sogar mit einem Ventilator bestückt. Somit hatte sie alles, was wir brauchten. Das Fenster war zwar mit einem Mückennetz versehen, dieses wies allerdings einige Risse auf. Aber da man das Fenster ordentlich schließen konnte, sollte das schon passen – zumal wir die letzten Nächte kaum Stiche abbekommen hatten. Pustekuchen! Mit einer Mischung aus Ungläubigkeit und schauriger Belustigung verstanden wir am Abend, dass die unzähligen Spuren, die unsere vier Wände zierten, Spuren von – ihr ahnt es – zerquwetschen Mücken waren. „Come on“, dachten wir, „euer Ernst?“

Doch kaum war die Nacht hereingebrochen, wurden wir – insbesondere Sandrine – schnell eines Besseren belehrt. Hatten wir uns am Vorabend noch etwas hochnäsig darüber gewundert, dass vorherige Gäste scheinbar zu unkontrollierten „Mückenklatschern“ mutiert waren, dauerte es nur wenige Stunden, bis uns dasselbe Schicksal ereilte. Insbesondere Sandrine wurde zur blutrünstigen Mückenjägerin und damit zur mehr oder minder stolzen Kollaboratorin dieses morbiden Kunstwerks. Doch so sehr diese Jagdaktionen die Situation auch verbesserten, beheben konnten sie sie keineswegs: Für jede erwischte Mücke rückten gefühlt zu viele neue nach. Bei der hohen Frequenz an Stichen war an erholsamen Schlaf nicht zu denken. Selbst Mückenspray und der laufende Ventilator kamen gegen die Stichwut nicht an. Tatsächlich wurden wir im Zimmer DEUTLICH mehr gestochen als draußen. Was für ein nettes, aber mückenverfluchtes Zimmer! Am nächsten Morgen war uns klar, wir mussten handeln. Gesagt, getan: Wir investierten in ein imprägniertes Mückennetz für unser Bett. Welch wohltuende Investition! Abgesehen von den heißschwülen Nächten und den nächtlichen Klogängen – die noch immer einem Rennen gegen die Mücken glichen – kommen wir dem Gefühl von Entspannungsurlaub nun so nah wie nie zuvor.
Endlich Urlaubsfeeling#
Schöne Strände gibt es hier definitiv. Abgesehen vom Hafenbecken in Kribi selbst, das Regierungs- und Militärgebiet ist, kann man sowohl Richtung Norden als auch Süden den schier endlos langen, durchweg öffentlichen Stränden folgen. Der kubanische Vibe einiger zerfallender und von der Natur verschlungener, schöner Bauten war inklusive. Gemeinsam mit den lokalen Fischern in ihren kleinen Booten verlieh dies der Szenerie einen ganz besonderen Charme. Dazu stets eine warme Briese, die egal ob bewölkt oder sonnig stets für eine angenehme Temperatur sowohl zum Laufen als auch zum Baden sorgte. Etwas verwundert waren wir lediglich über das rau-trübe Wasser – im Kontrast zu den Adjektiven „klar“ und „blau“ von Erzählungen und des Internets. Die Wellen und die angenehme Wassertemperatur machten das jedoch wieder wett und so verbrachten wir jeden Tag schöne Stunden am Strand.
Urlaubsfeeling sucht Gäste!#
Auffällig war für uns vor allem die ausgeprägte Touristenflaute. Für verwöhnte zentraleuropäische Urlauber, die Strände aus anderen Destinationen gewohnt sind, wirkte es geradezu surreal, dass wir – abgesehen von wenigen Gästen an den Hauptstränden und Tourispots – fast durchgehend mutterseelenallein waren, obwohl eigentlich Hochsaison herrschen sollte. Die Strände sind gesäumt von Hotels en masse, die jedoch verschlafen und weit entfernt von jeglicher Auslastung wirken. Angesichts der schieren Menge an Unterkünften einerseits und der handvoll Touristen andererseits erscheint es kaum vorstellbar, dass diese jemals profitabel/ausgelastet sein könnten.
Diese Touristenlosigkeit ist einerseits angenehm, andererseits aber auch seltsam befremdlich. Ein wenig fühlen sich die Strände Kribis wie ein verlassener, halb verfallener Rummelplatz an. Die Stadt selbst trägt zu diesem Eindruck bei: Sie ist eine typisch kamerunische Stadt – (dis)funktional und lebendig, aber ohne jene ästhetische oder infrastrukturelle Aufbereitung, die man aus klassischen Urlaubsorten kennt. Es fehlen Promenaden, gepflegte öffentliche Plätze oder eine zusammenhängende touristische Infrastruktur, die zum Verweilen einlädt. Zwar werden potenzielle Anziehungspunkte wie die Wasserfälle oder der Fischmarkt punktuell „erschlossen“, doch ohne echtes Konzept und vor allem ohne Nachfrage. So bleibt ein fader, underwhelming Beigeschmack: Eigentlich schön, aber eben kein Ort, der einen festhält oder erfüllt.
Zu diesem Eindruck trugen auch ganz profane Faktoren bei. Bereits in Somalomo hatte uns das Essen zugesetzt, und da unsere Unterkunft – wie auch die meisten anderen – keine Kochgelegenheit bot, waren wir auf ein sehr begrenztes Angebot angewiesen. Für Vegetarier beschränkte sich dieses im Wesentlichen auf Tomaten, Avocados und Brot zum Frühstück, Bohnen mit Ei und Brot oder Reis zum Abendessen, sowie Beignes (dt. Gebadete d.h. frittierte Bällchen) zum Nachtisch – eine Kombination, die unsere Mägen auf Dauer nur mäßig begeisterte.
Übersät von Mückenstichen und mit nur halb stabilem Magen waren wir letztlich nicht unglücklich darüber, Kribi nach fünf Tagen wieder zu verlassen. Das „Wundenlecken“ verschob zumindest Sandrine also auf Douala.
Letzter Stopp: Douala#
Am Vortag der Reise hatten wir Bustickets Kribi -> Douala reserviert. Der Bus sollte am Morgen des 10. Januar zwischen 8 und 9 Uhr am Busbahnhof um die Ecke abfahren. In der Hoffnung, dass der Bus nicht allzu viele Stunden später abfahren würde – üblicherweise hatten wir bisher immer gute zwei bis drei Stunden gewartet –, kreuzten wir gemütlich gegen 8:20 Uhr am Bahnhof auf. Entsprechend groß war unsere Überraschung, als es diesmal hieß, der Bus sei bereits weg! Doch wir hatten Glück im Unglück: Mit einem Motorrad konnten wir ihn an der nächsten Tankstelle einholen, und ab ging die Post nach Douala - ganz ohne Wartezeit!

Kurz nach Ankunft in Douala fanden wir eine Unterkunft – diesmal sogar mit, zugegebenermaßen dankbar angenommener, Klimaanlage. Am nächsten Tag trafen wir uns noch einmal mit Host-Sandrine und verbrachten den Großteil des Tages mit ihr. Douala selbst ist ganz schön heiß-schwül, busy und merklich wuseliger als Yaoundé. Während in Letzterem jeder seinem kleinen Kommerz eher gemächlich nachzugehen schien, wirkt das Ganze hier potenziert. Einige Viertel erinnerten, was Straßenzustand, Läden und Gebäude betrifft, tatsächlich schon fast an europäische Vorstadtviertel. Doch abgesehen von einem Kreisel mit einer Statue, die als Wahrzeichen dient, scheint die Stadt nicht besonders mit Touristenattraktionen zu locken. Auch hier hielt unsere Ernährungschallenge hartnäckig an, und so sind wir nicht besonders traurig, als es in der Nacht auf den 14. Januar weiter in eine ganz neue Welt geht.















