Tag 1: Langer Marsch in die Wildnis#
Wir schreiben den letzten Tag des Jahres 2025. Um 8 Uhr treffen wir unseren Guide vor unserer Herbgerge. Unser Ecoguard muss noch ein paar Einkäufe erledigen, also gehen wir schon einmal vor und warten am Ufer des Flusses Dja, der den Eingang zum Nationalpark markiert. Eine gute halbe Stunde später trudelt auch unser Ecoguard ein, jedoch ohne Machete. Unser Guide besteht darauf, dass er noch einmal umkehrt um diese zu holen, also weitere 15 Minuten warten, bevor unser gemeinsames Abenteuer gegen 9:00 bis 9:20 Uhr beginnt.
Für die Überquerung des Dja ruderte uns ein Junge in einem Einbaum gekonnt zum anderen Ufer. Kaum eine halbe Stunde liefen wir, da erreichten wir kleine traditionelle Siedlungen der Baka, in denen wir auch schon gleich unseren ersten (ungeplanten) Stopp einlegten. Unser Guide hatte Hunger. Während Guide und Ecoguard also in einer der Lehmhäuser speisten, genossen wir draußen die Sicht und die unerwartet frühe Pause. Es folgten noch einige weitere Plapper-Stopss mit Einwohnern des Reservats.
Nach etwa zwei Stunden Walk and Talk erreichten wir die Abzweigung in den völlig geschützten Bereich. Dort verkleinerte sich unser Pfad merklich und der Urwald verwandelte sich mehr und mehr in ein Dickicht. Trotz der reichen und für uns neuartigen Nature, glichen die übrigen 25 km zur Forschungsstation eher einem Marsch als einer touristischen Tour. Informationen gab es meist nur auf Nachfrage und generell recht spärlich. Da der Weg gut in OpenSteetMaps eingetragen ist, fragten wir uns schon ein wenig wofür wir unser Begleiterduo eigentlich benötigen… Dafür erreichten wir unser Ziel immerhin gerade rechtzeitig mit dem gegen 16 Uhr einsetzendem Platzregen.
Am Abend passierte nicht mehr allzu viel. Im Wesentlichen kochten wir Nudeln mit Tomatensoße à la Camerounaise: kleine Zwiebel, 120g Tomatenmark, viieel Öl, ein Cube (dt. Shrimp-Maggiewürfel 🤮), 500g Spaghetti, Salz. → Also eher Nudeln mit einer Art Pesto. Danach bezogen wir ein zur Verfügung gestelltes Zelt auf einer Holzplatform, welche mit Mückennetzen und Plane gut gegen die Natur geschützt waren. Beim Einschlafen lauschten wir noch den vielen Verschiedenen Lauten des Waldes.
Tag 2: Wo feiern die Tiere Neujahr#
Am Vortag raschelte es mal hier mal da und es war klar, wir haben Gesellschaft. Ein, zwei Mal hielten wir auch inne und beobachteten die Baumkronen aufmerksam, doch gegen den dichten Urwald kamen unsere suchenden Blicke selten an. Somit begnügten wir uns bei unserer Anreise mit dem Wissen ihrer zwar hör- und spürbaren aber selten sichtbaren Präsenz. Heute war der Plan die Wahrheit ans Licht zu bringen.
Also machten wir uns kurz nach Morgendämmerung auf in den Wald. Generell bewegten wir uns auf deutlich schlechter erkennbaren Pfaden, die vermultich durch die Forschungsaktivitäten entstanden. Schon nach wenigen Schritten mussten wir den ersten größeren Bach über halbversinkende Holzplanken überqueren und ein wenig später gab es nicht mal Planken. Unser Ziel war ein größerer Felsen, welcher eine natürliche Lichtung bildet, und mit seinem hoch wachsenden Gras beste Futterbedingungen für größere Herbivore bietet. Auf dem Weg erspähten wir in den Baumkronen einen größeren Affen, der sich leicht von Baum zu Baum schwang. Bei tief stehender Sonne erreichten wir den erhöhten Felsen, welcher uns einen hervorragenden Blick über die endlosen, bewaldeten Hügel bot. Die Luft war noch nass und schwer, sodass selbst unsere Kamera von innen beschlug… und das gerade als wir in am Rande der Lichtung eine Gruppe Neulandaffen erblickten. Diese ließen sich von uns aber nicht stören und wir beobachten sie eine ganze Weile. Als nächstes versuchten wir es noch an einem weiterem Felsen und erhaschten einen kurzen Blick auf ein paar Urwaldwildscheine, die in dem hohen Gras fast untergingen.
Den sonnigen Mittag verbachten wir im leeren Forschungcamp, trockneten unsere Schuhe, wuschen und erholten uns ein wenig. Das Forschungscamp war fast eines der Hihglights dieses Ausflugs. Zu schade nur, dass während unseres dortigen Aufenthalts kein einziger Forscher da war, mit dem wir uns über Neujahr ja liebendgerne über die hiesige Forschung ausgetauscht hätten. Aber auch ohne anwesenden Forscher war die Stimmung sehr szenisch. Alles (Schlafbereiche, Küchen, Labor, Arbeits- und Essbereiche) war in Form von offenen Holzbungalows organisert. Selbst bei Regen war es stets warm und angenehm und zum Duschen konnte man das Wasser einfach direkt aus dem am Camp entlangfließenden Bach schöpfen. Überall wuchsen Papayas, Ananas, Chillichoten, Avocados und Tomaten und man merkte auch hier wieder, wie sehr die Natur einen hier verwöhnt.
In der Abenddämmerung kehrten wir zum zweiten Felsen zurück und tatsächlich erblickten wir nach einer Weile am Rande der Lichtung eine Herde wilder Büffel die gerade den Wald verließ. Der Wind stand ungünstig und die Büffel witterten uns, aber trauten sich über die nächste halbe Stunde doch noch ein wenig näher an uns heran. Die Sonne näherete sich dem Horizont und wir genossen die friedvolle Szene bevor wir uns bei Sonnenuntergang wieder auf den Rückweg ins Camp machten.
Tag 3: Zurück nach Somalomo#
Der Rückweg verlief wie der Hinweg in umgekehrter Reihenfolge. So hatten wir genug Zeit uns auszutasuchen und einen sanften Wiedereintritt in die dörfliche Zivilisation. Nach drei Tagen und wahrscheinlich über 80 km Laufen kamen wir am frühen Nachmittag bei Mama Rose an. Waren wir doch gut erschöpft und froh über unsere Ankunft, so schienen unsere Begleiter mehr mit dem Rückgweg zu hadern. Während wir den einen auf dem letzten Drittel verloren, schnaufte der andere leidend den letzten Hügel hoch. Scheinbar, so sagten sie uns, sind sie Touris mit einem solchem Tempo nicht gewöhnt. Für den Rest des Tages waren wir dann aber für nicht mehr allzu viel zu gebrauchen und so ließen wir den Abend entspannt auf der Veranda ausklingen.