Wiedersehen in Yerevan#
Heute dürfen wir unseren ersten Gast vorstellen, Lukas ein langjähriger Freund, ist als erster, und hoffentlich nicht letzter, unserem Ruf, gemeinsam ein Land zu erkunden, gefolgt und so trafen wir uns in den frühen Morgenstunden in unserem AirBnB in Yerevan.
Hatten wir die ersten Tage hier noch mit einer Blog-Aufholjagt verbracht, war jetzt Erkunden dran. Nach einem guten Frühstück wagten wir uns in die Innenstadt vor und passend zum Welt-Museum-Tag (18. Mai), ging es schon bald ins Nationalmuseum, das gleichzeitig auch die Nationale Kunstgallerie ist. Neben der Kunst aus verschiednen Epochen, war insbesondere die durchwachsene Geschichte Armeniens der Moderne interessannt. Aufgefallen ist uns hier auch, dass viele Gemälde und Kunststücke mit einem “given by France” gekennzeichnet waren.
Die nächsten zwei Tage setzten wir unsere Erkundungsgänge zu Fuß fort und erschlossen nach und nach doch einen guten Teil der Stadt. Neben den klassischen Sehenswürdigkeiten war eines der Höhepunkte ein Gewächshaus in einem botanischem Garten welches, trotz des vollen Betriebs, einen gewissen Post-Menschheits-Charme umgab.
Hit the road Jack#
Die restliche gemeinsame Zeit wollten wir uns dann eher der Natur widmen. So hatte Lukas einen Leihwagen organisiert. Doch wie das immer so ist, weiß man bis zum Abholen nie so genau was man bekommt. Nach einer etwa einstündigen Verspätung, das Auto musste noch gereinigt werden, waren wir – besonders vor dem Hintergrund, dass hier vor allem eine Vielzahl alter Sovietfahrzeuge, etwa Militärwagen und kleine klapprige Lada vertreten sind – doch etwas verduzt einen recht sportlichen, modernen Wagen bekommen zu haben. Doch unser Gepäck war schnell verstaut und der Wagen fuhr gut, wir waren auf dem Weg aus der Stadt, also warum auch nicht?
Nun, wohin sollte es gehen? Laut Vorhersage sah das Wetter für die erste Zeit überall etwas durchwachsen aus und so beschlossen wir mit den, in Georgien lieben gelernten, heißen Quellen zu starten. Dafür war der Ort Jermuk (gesprochen Dschermuk) bekannt. Bei gutem Deutsch-Pop waren wir schon bald voll in der Natur und stellten gerade dort fest, dass uns der Wagen mit recht wenig Tank übergeben worde war. Und natürlich sind mitten auf der Passstraße genau zwei Dinge schwierig: 1. Die Vorhersage der Restreichweite. 2. Das Aufsuchen einer Tankstelle. Doch am Ende reichte der Sprit gerade so und nach kurzem Tankstopp erreichten wir unser erstes Etappenziel bei wunderschönem Sonnenuntergang.

Unser nächster Tag begann, wie sich herausstellte, mit unserer Morgenroutine, zusammen mit Lukas zunächst einmal den verlegten Autoschlüssel zu suchen. 😉 Diese morgendliche Challange geschafft, stellten wir fest, dass die Quellen alle in Hotels verschlossen und nicht einfach zugänglich sind. Trotzdem gab es Einiges zu sehen. Zum einen allein die Kulisse eines ehemaligen sovietischen Kurortes inklusive Wasser-Tastings und beeindruckender, wenn auch etwas mangelgewarteter Infrastruktur, zum anderen auch einen großen Wasserfall.
Auf dem Rückweg, versuchten wir uns an einer kleineren Straße, mussten aber feststellen, dass die Unterbodenfreiheit unseres Sportwagens nur bedingt dafür ausgelegt war. Spätestens bei den dicken Steinschlagbrocken auf der Straße mussten wir dann einsehen, dass es hier für uns nicht weitergeht und umdrehen. Generell mussten wir auf den an Schlaglöchern reichen Straßen Armeniens häufig aufpassen und ein kleiner, robuster 4-Rad-Antrieb Lada ist hier nicht umsonst eines der beliebtesten Automodelle.
Hochebene des Sevan Sees#
Generell liegt Armenien im Schnitt auf 1800 m Höhe und so ist es bei nennenswerten Distanzen quasi garantiert, einen Pass überqueren zu müssen. So auch auf unserem nächsten Ziel zum größten Gewässer Armeniens, der Sevan See, der auf der zentralen Hochebene östlich von Yerevan liegt. Hier besichtigten wir die Grabfelder von Noratus und wurden zufälligerweise Zeuge des jährlichen Schulabschlusses, der hier wie es scheint ausgiebig gefeiert wird. Ansonsten fanden wir noch eine “Insta-Bäckerei” in der wir live sehen konnten, wie das meterlange, papierdünne Lavasch-Brot gebacken wurde.
Mönchnereien und wo sie zu finden sind#
Armenien besitzt eine der ältesten christlichen Traditionen, welche nach wie vor einen wichtigen Stellenwert in der lokal Kultur einnimmt. Dies bemerkt man spätestens bei der unglaublichen Vielzahl an Kirchen und Klöstern, bei manchem Mitreisenden besser bekannt als Mönchnereien. Aufgrund zahlreicher Hin- und Zurückeroberungen wurden viele dieser zerstört und oft mehrfach wieder neu aufgebaut. Doch die schiere Auswahl der Orte und die Integration in die umliegene Natur bieten oft spektakuläre Ausblicke und obwohl wir schon viele gesehen hatten, haben sie uns doch bis zum Ende hin immer wieder aufs Neue erstaunt. So gab es zum Beispiel in einem Kloster versteckte Räume, nur zugänglich über vielleicht 50 cm enge Durchgänge und in einer Nebenkapelle eine vier Meter tief in den Boden ragende Leiter.
Ab in die Berge#
Wie bereits erwähnt, ist Armenien im Grunde ausschließlich ein Gebirgsland. Was sich von Ort zu Ort hingegen ändert ist jedoch das Erscheinungsbild. Während in großen Teilen eine karge Hochebne das Bild prägt, gibt es tiefergelegene Regionen mit üppigem Wald im Süden und Nord-Osten. Unterscheiden tun sich die beiden Regionen darin, dass die bewaldeten Täler im Norden Ausläufer der Hochebne sind, im Süden dagegen enden diese in schroffen Bergen nicht unähnlich zu den Alpen.
Den letzten beißen die Hunde#
Im Norden verbrachten wir ein paar Tage in Dilijan (gesprochen Dilidschan) in einem coolen Penthouse Hostel, welchses zu einer Art privaten Universität gehört und diese mitfinanziert. Hier unternahmen wir unsere erste lange Wanderung. Nach Regen, Wind und Wetter erreichten wir bei schönstem Sonnenschein einen Grad mit einem verlassenen Metallwagen. Nach einer guten Mittagspause, begaben wir uns auf den Rückweg. Doch auf dem Abstieg, immerhin auf dem offiziellen Transkaukasischen Wanderweg, gerieten wir in eine 5-köpfige Meute an Hunden. Diese waren über unsere Anwesenheit wenig erfreut und begleiteten uns bellend für ein-zwei Kilometer. Wir schritten stoisch etwas Abseits des Weges fort, aber die Hunde ließen sich dadurch nicht abwimmeln. Am Ende schnappte einer dann noch nach Felix’ Hosenbein - der klügere gibt nach -, aber nur wenige Meter später hatten wir scheinbar ihr Territorium verlassen und sie ließen von uns ab. Nun, dieses Abendteuer hatte immerhin unser Cardio in die Höhe getrieben und für das nächste Mal nahmen wir uns vor, zumindest einen guten Stock dabei zu haben.

Hoch hinaus#
Im Süden, bei Kapan, hatten wir eine ähnliche Kombination aus cooler Unterkunft mitten in den Bergen, nur mit 4-Rad-Antrieb erreichbar, mit einer geplante Wanderung und einem gigantischen Hund. Diesmal allerdings war der Hund auf unserer Seite und die einzige Gefahr bestand darin, ihn nicht genug zu streicheln. Diesmal führte uns unsere Wanderung zunächst durch einen schönen Wald, dann an einer kleinen Kapelle vorbei durch die Hochwiesen und am Ende auf über 3000 m Höhe noch etwas Kraxelei durch schroffe Felsen. Wir hatten Glück und stiegen über die quasi schneefreie Südflanke auf. Lediglich auf dem Kamm mussten wir ein kleines Stück durch Schnee. Die Aussicht war atemraubend und der Abstieg zwar mühsam aber endlich.

Zwischenerlebnisse#
Natürlich sahen wir beim Transit von Nord nach Süd noch einiges Mehr. Um es lesbar kurz zu halten, hier nur ein paar Highligts (ungeordnet, ohne Kloster):
- Ein wunderschön gelegener Campingplatz in Geghard bei dem das Highlight für Lukas und Sandrine in einem gemeinsamen BBQ mit der kasakischen Spätaussiedlerfamilie und den lokalen armenischen Freunden des netten, abenteuerlustigen Hostelbetreibers war. Häufig sind es doch solche Begegnungen über unterschiedliche Sprachen hinweg, die eine Reise so besonders machen.
- Lokaler frischer Nusskuchen, gebacken im unterirdischem Ofen
- Den Temple von Garni
- Basaltsäulen in 6-Eck Form
- Shaki Wasserfall
- Kühe auf der Straße
- Iranische Busse und Tank-LKWs
- Heiße Quelle und Brücke von Vorotan
Dachschaden zum Abschied#
Am letzen Tag unserer Rundreise, es war unser 15. Jahrestag, blieben wir in Areni, DER Weinregion Armeniens. Am Nachmittag wollten wir uns aber noch eine Schlucht in dieser sehr trockenen Gegend ansehen. Kaum waren wir bei starkem Wind losgefahren, flog etwas riesiges links an unserem Auto vorbei, dozte auf der Stromleitung auf und landete nur knapp vor unserem Auto mitten auf der Straße. Alles ging sehr schnell, aber in der nächsten Sekunde war klar: nicht mein Dach, nein das Nachbardach, welches noch im Bau war und dem starken Wind nicht standgehalten hatte. Um unser Glück nicht weiter zu strapazieren, fuhren wir schnell aus der akuten Dachschlag-Gefahrenzone, um der potentenziellen Fluglust der zweiten Dachhälfte zu entkommen. So sehr Lukas auf unserer gesamten Reise eine beachtliche Anzahl potenzieller 10%-Gefahrenquellen zum Besten gegeben hat, so sehr hatte selbst er die Achtung-fliegendes-Dach-voraus-Gefahr nicht auf dem Schirm. Noch ein bisschen perplex von diesem Update der Liste seltsamer Dingen, die einem passieren können, gingen wir unseren ursprünglichen Plänen wieder nach und besuchten die Magellan Höhlen und – wer hätte es gedacht – ein letztes Kloster.
Zum Ausklang und Rückblick gingen wir am Abend in ein Restaurant und probierten den lokalen Wein. Neben der gewohnten Auswahl, gibt es hier auch einige Sorten an Furchtweinen. Hier probierten wir uns zusammen munter und heiter durch einige Sorten und wer süße Getränke mag, kommt sicher auf seine Kosten. Zum Essen gab es für Vegetarier einige Variationen von mit Ei gebratenen Gemüse oder Kräutern, sowie viele tendenziell käselastige Speisen, die wir auch schon aus Georgien kannten. Generell, gibt es sonst noch recht viele Suppen und Eintöpfe, nicht selten aber auch mit Lammfleisch.

Von A(rmenien) bis Z(ug)#
Am letzten Tag galt es zunächst das Auto wieder loszuwerden. Wir fuhren noch einmal zu einem Waschautomaten um zumindest den meisten Dreck zu entfernen. Dann warteten wir etwas nervös bei der Endkontrolle, da wir bei den Schlaglöchern doch ein paar Male nicht umherkamen aufzusezten. Doch alles lief gut und nach erfolgreicher Abgabe hatten wir anschließend noch einmal durch die Innenstadt Yerevans schlendern. Nach zehn Tagen Rundfahrt, hatte sich auch Lukas an das Schönheitsniveau der Region angepasst und war positiver auf Yerevan zu sprechen, als es nach der ersten Station noch der Fall war. Nach einem Abendessen von original armenischen Fastfood, gingen wir zum Bahnhof.

Hier stand bereits unser Nachtzug nach Tbilisi bereit und kurze Zeit später konnten wir unsere Betten mit den bereitgestellten Laken beziehen. Der Zugbegleiter hatte zwar eine charmant soviettische “kein Spaß” Mentalität, aber die Stimmung war gut und wir unterhielten uns halb auf Englisch, halb auf Russisch mit einer russischen Mitfahrerin. Überhaupt ist Lukas Zeit unserer Reise immer verlässlich gut darin gewesen, die uns umgebenden Menschen direkt in ein Gespräch zu verwickeln; so natürlich auch hier. Gegen 23 Uhr ließen wir uns vom regelmäßigen Schuckeln des Zuges in den Schlaf wiegen. Lange hielt unser Schlummern leider nicht an, denn gegen 3 Uhr nachts riss uns unser kein-Spaß-Zugbegleiter durch ein Wackeln am Zeh aus dem Schlaf: die erste Grenzkontrolle, Team Armenien, stand an (wohlgemerkt erst eine halbe Stunde später). Kaum war diese geschafft, schuckelten wir wieder weiter und gerade wieder eingeschlafen gab ging es um 4 Uhr nochmal aus den Betten. Diesmal war Team Georgien an der Reihe, für das wir sogar aus dem Zug mussten. Nach einer gefühlten Ewigkeit bekamen wir immerhin nochmal etwa zwei Stunden Schlaf bevor wir etwas gerädert in Tbilisi ankamen. Noch etwas träge von der vergangenen Nacht schauten wir uns den Tag über gemeinsam die Stadt an und ließen den Abend in einem lokalen Restaurant und lebhaften Mitgästen in einem bunten Sprachgemisch aus Armenisch, Russisch und Englisch gesellig-fröhlich ausklingen.
Wir haben die gemeinsame Zeit wirklich genossen, wirklich viel gesehen, gerade für die vergleichsweise kurze Zeit, die wir in Armenien waren und uns auch irgendwie wieder ein bisschen neu kennengelernt. Mit den vielen Momenten des mal lustigen mal interessant intensiven Austauschs mit Lukas wird auch einfach die mit ihm gemeinsam verbrachte Zeit stets mit unserer guten Erinnerung an Armenien verknüpft sein. Denn eins ist sicher: Keiner killt potenzielle Langweile besser als Lukas. 🙂 Also danke für die tolle Zeit und immer wieder gerne! 🚀





























